Lebensbegleiter in schweren Zeiten
25 Jahre Hospizkreis Ostbevern
21.03.2026 von Felix Strickmann, Fotos privat
OSTBEVERN. „Es sind oft nicht die großen Dinge, die nötig sind, aber trotzdem bereichernd sind“, beschreibt Kerstin Thormann, Koordinatorin des Hospizkreises Ostbevern, worum es in der Hospizarbeit geht. Es sind die leisen Momente – ein Gespräch, das Zuhören, das Dasein -, die für Menschen am Lebensende und ihre Angehörigen von unschätzbarem Wert sein können.
Seit 25 Jahren gibt es den Hospizkreis in Ostbevern. Was am 8. März 2001 mit 38 Mitgliedern begann, ist heute ein Verein mit 108 Mitgliedern und rund 20 aktiven Begleiterinnen und Begleitern. Ihr Einsatz gilt Menschen in einer der sensibelsten Phasen des Lebens: dem Sterben und der Zeit der Trauer.
Dabei verstehen sich die Ehrenamtlichen nicht als medizinische Helfer, sondern als ergänzende Lebensbegleiter, heißt es aus dem Verein. Die Begleitung richtet sich dabei immer nach den Wünschen der Betroffenen. „Die Familie gibt vor, was gemacht wird“, betont Thormann.
Die Einsätze finden nicht nur in Ostbevern statt, sondern auch in umliegenden Orten wie Glandorf, Telgte oder Milte. „Jemand, der anfragt, bekommt auch Hilfe“, so Thormann. Das Angebot ist kostenfrei und richtet sich an alle Menschen, unabhängig von Herkunft, Glauben oder finanzieller Situation. Finanziert wird die Arbeit des gemeinnützigen Vereins durch Spenden und Mitgliederbeiträge.
Die Idee für den Hospizkreis entstand Ende der 1990er Jahre. Hildegard Tünte-Poschmann, eine der Initiatorinnen, erinnert sich: Inspiriert von der englischen Krankenschwester und Ärztin Cicely Saunders, einer Wegbereiterin der modernen Hospizbewegung, entstand der Gedanke: „Das können wir in Ostbevern auch.“ Von Anfang an stand ein klarer Leitsatz im Mittelpunkt: „Ich möchte leben bis zuletzt.“
Zahlreiche Menschen haben sich in 25 Jahren im Hospizkreis in vielfacher Weise engagiert.
Dieses Bild zeigt einige von ihnen.
Für Tünte-Poschmann ist Sterben kein rein trauriger Moment, sondern „eine Zeit des Lebens“. Die Anfangsjahre seien nicht immer einfach gewesen. „Viele fanden die Idee gut, wollten es aber nicht wagen“, erinnert sie sich rückblickend. Auch bei den Menschen, die Unterstützung suchten, musste zunächst Vertrauen aufgebaut werden – etwa durch die Zusicherung von Vertraulichkeit.
Die Ehrenamtlichen begleiten schwer kranke und sterbende Menschen in ihrem Zuhause oder in Einrichtungen. In Gesprächen können Ängste, Hoffnungen und Zweifel angesprochen werden – oft auch Dinge, die im engsten Familienkreis schwer auszusprechen sind. Gleichzeitig richtet sich der Blick auch auf Angehörige, die häufig stark belastet sind. „Manchmal liegt der Fokus sogar stärker auf ihnen als auf den Sterbenden selbst“, sagt Thormann.
Auch nach einem Todesfall bleibt der Hospizkreis ansprechbar. In der Trauerbegleitung unterstützt der Verein Menschen, die sich allein fühlen oder ihren Weg neu finden müssen. Ziel ist es, Orientierung zu geben und dabei zu helfen, Schritt für Schritt weiterzugehen.
Ein wichtiger Baustein der Arbeit ist die Ausbildung der Ehrenamtlichen. Rund 100 Stunden umfasst die Vorbereitung, in der es um Themen wie Leben und Tod, den Umgang mit Sterben, familiäre Situationen oder persönliche Grenzen geht. „Alle Begleiterinnen und Begleiter brauchen eine Ausbildung“, betont Thormann. Gleichzeitig gehe es auch darum, die individuellen Stärken zu entdecken: „Man muss sich kennenlernen – was bringt jemand mit?“
Wer sich engagieren möchte, solle vor allem offen und freundlich sein und die Bereitschaft mitbringen, sich mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen. Viele der Begleiter stehen mitten im Berufsleben. Einsätze werden individuell abgestimmt, auch Begleitungen zu zweit sind möglich. Dabei entstehen oft enge zwischenmenschliche Beziehungen. „Die haben auch etwas Gutes“, sagt Tünte-Poschmann. Viele Begegnungen seien ihr bis heute in Erinnerung geblieben.

Gisela Kroneberg (v.l.), Bernadette Rautland, Dr. Beate Derakshani, Anita König, Georg Poschmann, Kerstin Thormann, Hildegard Tünte-Posch-mann, Clemens Wansing und Rita Busch bildeten im Jahr 2008 den Vorstand des Hospizkreises.
Dennoch bleibt die Hospizarbeit eine Herausforderung. „Es gibt immer noch eine große Hemmschwelle“, sagt Thormann. Der Umgang mit Tod und Sterben sei in der Gesellschaft nach wie vor schwierig.
Umso wichtiger sei auch das Angebot des Hospizkreises, durch Beratung und Information frühzeitig aufzuklären und Ängste abzubauen.
„Unsere Aufgabe ist es auch, uns immer wieder ins Gedächtnis zu rufen“, sagt Schriftführer Hans Wallschlag. Gerade persönliche Kontakte spielten im ländlichen Bereich eine große Rolle: „Die Hemmschwelle ist kleiner, wenn man jemanden kennt und nicht eine unbekannte Nummer anrufen muss.“
Der Verein selbst lebt vom Engagement vieler. „Jeder bringt sich ein, wie er kann – es ist wie ein Uhrwerk“, beschreibt der erste Vorsitzende Bernd Jungblut das Zusammenspiel. Ursprünglich wollte er selbst nur in die Begleitung einsteigen, übernahm dann jedoch auch Verantwortung im Vorstand, als dieser Posten neu besetzt werden musste.
Mechtild Högemann (v.l.), Bernd Jungblut, Kerstin Thormann, Martina Odenbrett, Adelheid Wanke, Hans Wallschlag, Ewald Brünen und Gisela Kroneberg leiten seit 2026 im Vorstand die Geschicke des gemeinnützigen Vereins.
Für die Zukunft wünschen sich die Beteiligten vor allem Kontinuität. „Dass das, was gewachsen ist, weiterwächst“, sagt Tünte-Poschmann. Thormann hofft zudem, dass sich mehr jüngere Menschen für die Arbeit begeistern lassen: „Es wäre schön, wenn auch jüngere Leute den Weg dazu finden.“ Jungblut erhofft sich, dass „die Scheu, Hilfe anzunehmen, weiter abnimmt“.
Denn am Ende bleibt es oft bei den kleinen Dingen – einem Gespräch, einem Moment der Nähe, einem offenen Ohr. Dinge, die nicht groß erscheinen, aber für die Betroffenen von unschätzbarem Wert sind.
Die Jubiläumsfeier zum 25-jährigen Bestehen des Hospizkreises Ostbevern findet am Sonntag (22. März) um 11 Uhr im Edith-Stein-Haus für Mitglieder statt.
